Geschwisterliebe

loss_of_brother
Als ich von Deinem Unfall erfuhr war ich noch auf der Autobahn nach München. Ich sah gerade die Allianz Arena und immer wenn ich jetzt an der Arena vorbeifahre, muss ich sofort daran denken. An die Worte: Michie hatte einen Unfall…Ich schrie das Lenkrad an, ich schrie zu Dir, in der Hoffnung, dass Du mich hörst. Ich wusste nicht was mit Dir war, denn mein Akku war leer. Ich gab Vollgas und bin in meine WG gefahren. Als Mama mir dann erzählte, was passiert war, wollte ich sofort wieder nach Hause, zu Dir. Michie ich kann Dir nicht sagen, was mir alles durch den Kopf ging, ich habe nur noch geschrien. Die Woche des Bangens und Hoffens verging überhaupt nicht. Jeden Morgen wartete ich auf den Anruf von Mama, abends dann der nächste Anruf nachdem sie Dich besucht hatten. Als ich Dich dann am Freitag endlich besuchen konnte stand mein Herz still. Ich wollt Dich aufwecken, mit Dir reden. Ich hab Dir so viel erzählt und so viel gesagt und immer gehofft, dass Du gleich die Augen aufmachst und mir einen flotten Spruch entgegen wirfst. Warum hast Du nicht geantwortet? Weißt Du noch was ich Dir als Letztes gesagt habe? Das meinte ich ernst. Ich hätte Dir das Laufen zum zweiten Mal beigebracht. Und ich hab Dich so wahnsinnig lieb. Wir haben so viel miteinander durchgemacht, warum hat diesmal unsere gemeinsame Kraft nicht ausgereicht? Am nächsten Morgen kam die Nachricht, dass ich Dir das Laufen nicht mehr beibringen kann. Michie, diese Nachricht ist die Schlimmste in meinem ganzen Leben gewesen. Seitdem bin ich starr. Ich hätte alles getan um Dir wieder auf die Beine zu helfen. Meine Tränen nützen nichts, das habe ich mittlerweile gemerkt. Es vergehen so viele Tage, Wochen, Monate ohne Dich, doch sie ziehen an mir vorbei. Du warst der wichtigste Mensch in meinem Leben und das weißt Du. Ich wünsche Dir, dass es Dir jetzt gut geht. Ich träume sehr oft von Dir und rede mit Dir. In den Träumen bist Du gesund und machst Deine Späßchen mit mir. Du lachst und fragst mich, warum ich weine. Und wenn ich Dir dann sag was los ist, dann lachst Du, fässt Dir an Dein Bein und sagst: Kuck mal, geht doch alles, ach Meine….Dann wach ich auf….Und Du bist weg…Deine Krissie (Oktober 2009)
 
Weihnachten ohne Dich
Mein erster Weg war der zu Dir. Ich zündete Dir eine Kerze an und stellte sie zu den vielen anderen, direkt neben Karlchen. Papa hat den kleinen Bär von mir, der auf Dich aufpassen soll, Karlchen genannt. Mein einziges Geschenk für Dich, eine Kerze…Nie im Leben hätte ich daran gedacht, Dir zu Weihnachten mal solch eine Kerze zu schenken. Es war alles so leer ohne Dich an Weihnachten. Dein Zimmer, so leer. Der Platz neben mir war meistens leer. Und so sehr ich mir auch an Deinem Grab gewünscht habe, Dich in den Arm zu nehmen, Du kamst einfach nicht. Wir vermissen Dich so sehr. Ich war mit Deinen Jungs weg. Es war schön sie mal wieder zu sehen. Sie erinnern mich immer ein Stück an Dich. Wir reden oft über Dich. Sie sind alle so verzweifelt, weil Du nicht mehr da bist. Wenn ich nur wüßte, wie ich Dich erreichen kann. Ich rede mit Dir, aber Du antwortest nicht. Manchmal fühl ich Dich sogar. Ich höre Deine Stimme und wenn ich in Deinem Zimmer sitze, dann seh ich Dich vor mir. Wie Du zuletzt an Deinem PC gesessen hast. Ach Michi, was soll ich sagen…Du bist so wahnsinnig weit weg und doch so nah da, dass es wehtut, Dich nicht in die Arme nehmen zu können und Dir einfach sagen zu können, wie lieb ich Dich hab. Deine Kleine (Weihnachten 2009)
Du hast mich immer auf Händen getragen…
… und mir durch jede Krise geholfen. Du hast Dir meine Sorgen angehört, mit mir gelacht und geweint und wenns mal nicht so lief, hast Du es geschafft mich zum Lachen zu bringen. Und weißt Du jetzt könnt ich Dich echt hier gebrauchen. Meine Tränen kann mir niemand in ein Lachen umwandeln. Ich weiß jetzt was Sehnsucht heißt. Niemals habe ich vorher einen Menschen so sehr vermisst, wie ich Dich vermisse. Ich denke manchmal, ich seh Dich, doch dann bist Du es nicht. Im Moment hör ich mir Deine CD’s im Auto an und ja, ich bin neulich tatsächlich mit „Mila..kann lachen…“ durch München gefahren und musste daran denken, wie Du als kleiner Kerl immer aus der Grundschule heim kamst, Dich sofort vor den Fernseher gehockt hast und dann Mila und die Kickers schauen wolltest. Vorher ging nix…
Du fehlst mir so mein Kleiner!!!!
Deine Krissie (Frühjahr 2010)
Als ich Dich zum ersten Mal sah…
Als ich Dich zum ersten Mal sah, warst Du ein kleines Wesen, mit so winzigen Fingerchen, eingehüllt in ein Kissen und ich habe mich gefragt, wie ich mit Dir denn spielen soll…Du bist doch viel zu klein und kannst noch gar nix. Gefühlt habe ich Dich schon lange vorher, ich durfte ja immer an Mamas Bauch fassen und hören, was Du machst.
Wir haben Dich dann mit nach Hause genommen und Du warst ein ganz schön kleiner Stinker, ständig dieses Windelgewechsel und nicht mal essen konntest Du allein. Es gab immer nur Milch für Dich. Aber ich war sehr sozial und habe mich neben Dich und Mama gesetzt, während sie Dich fütterte, habe ich meine Puppe gefüttert.
Irgendwann habe ich dann entschieden, dass es so nicht weiterghen kann und man mit Dir doch bestimmt noch viel mehr unternehmen kann. Dann sind wir zusammen auf dem Boden rumgerobbt. Ich sollte immer aufpassen, dass Du auch ja nicht vor den Kachelofen krabbelst. So fing es an, dass ich mir als Aufgabe gemacht habe, Dich zu beschützen. Eben die große Schwester. Das war so toll. Und Du machtest so wahnsinnige Fortschritte. Irgendwann standest Du in Deinem Laufgitter und bald darauf konntest Du sogar laufen…Ich war stolz auf Dich.
Wir haben angefangen miteinander zu spielen. Lego oder Barbie egal…wir haben immer etwas gefunden. Wir saßen oft zusammen in unserem Sandkasten oder haben an unserem alten Kirschbaum gespielt, dass dort „David der Klabautermann“ wohnt und haben ihm etwas zu essen hingelegt.
Als wir mal bei Oma und Opa waren, haben wir beschlossen, dass Du jetzt Fahrradfahren lernst. Ich habe das Rad festgehalten und Du hattest die ersten Erfolge ohne Stützräder 🙂 Bis ich losließ und Du nach 200 m bemerktest, dass ich nicht mehr da bin. Da bist Du direkt auf die Straße gefallen. Ich hatte so ein schlechtes Gewissen. Aber es dauerte nicht lange, dann bist Du alleine rumgefetzt. Weißt Du noch, als wir mal Brot holen sollten und Du das Brot mitten auf der Kreuzung verloren hast. Ich hab Dich losgeschickt, es zu holen, sonst kriegen wir Ärger. Darüber haben wir immer wieder gelacht.
Bevor Du eingeschult wurdest, haben wir immer „Schule“ gespielt. Ich war die Lehrerin und Du der Schüler und ich war auch da stolz, wie schnell Du doch gelernt hast.
Zur Einschulung wollte ich Dir dann helfen Deine Zuckertüte zu tragen, aber Du warst wie ein kleiner Teufel und hast die Tüte nicht aus der Hand gegeben. Als wir zu Hause ankamen, hast Du die Zuckertüte mit einem Ruck ausgekippt, weil Du so neugierig warst.
Geschenke hast Du sowieso immer aufgerissen, weil Du nicht erwarten konntest, was drin ist. Umso mehr hast Du es gehasst, dass ich die Geschenke ganz langsam aufmachte…. 😀
Später gingen wir immer zusamme in den Park. Ich hatte immer meine Begleiter, wenn ich mich mit den Kumpis traf: An einer Hand Michi an der andere Hand Hund Tina. Du gehörtest schon mit 8 Jahren zur großen Clique dazu und wenn ich Dich mal nicht mitbrachte, dann haben sie alle gefragt, wo Du bist. Meine Freunde haben Dich sogar mit zum Fußball nach Dortmund genommen.
Sogar als ich meine ersten Freunde hatte, warst Du immer dabei. Ich wußte immer genau, welcher Mann an meiner Seite etwas taugt und welcher nicht, Du hast es mir nämlich immer gesagt.
Deine Schulzeit werde ich nie vergessen, wie oft saßen wir zusammen und haben geübt. Wir waren auch oft allein zu Hause. Aber irgendwie hat es geklappt und wenn nicht, dann habe ich bei Oma angerufen und sie hat damit gedroht, dass sie hoch kommt, wenn Du nicht auf mich hörst. Danach warst Du immer ein kleiner Engel.
Opa hat Dich immer „Chef“ genannt. Du warst der Chef und das war gut so.
Wir waren zusammen das erste Mal zum Highfield. Es war ein riesen Erfolg. Wir hatten so viel Spaß. Wir haben so viele Dinge zum ersten Mal miteinander erlebt, wenn ich die alle hier aufschreiben wollte, bräuchte ich dafür glaub ich eine extra Homepage.
Als ich zu Hause auszog, hast Du mich oft besucht. So ganz ohne große Schwester gings doch nicht und ich gebe zu, ohne kleinen Bruder auch nicht.
Als ich dann mit meinem Freund zusammen zog, bist Du auch, immer wenn Du Berufsschule hattest, bei uns eingezogen. Ich weiß noch, einmal kam ich von der Uni heim und Du meintest total stolz: Guck mal, ich habe den Abwasch gemacht. Das fand ich so süß.
Ich hab Dir immer Dein Lieblingsgericht von mir gekocht. Spaghetti aglio e olio…und wehe die gabs Mal nicht, wenn Du bei uns warst. In Halle warst Du dann auch schon ein Teil meines Freundeskreises geworden. Alle fragten nache Dir, wenn ich Dich mal nicht mitbrachte.
Der schlimmste Schritt war glaub ich für uns, dass ich nach München gegangen bin, so weit weg. Aber auch dann haben wir zusammen gehalten. Du hast mir von Deiner Freundin erzählt. Wie lieb Du sie hast. Wir haben immer über alles gequatscht und so langsam begriff ich, dass der kleine Mann ein richtig großer Mann geworden ist.
Du hast dann irgendwann gemeint, dass Du auch studieren möchtest und wir haben nach Unis geschaut.
Zu Papas 50. Geburtstag haben wir ein Programm zusammen entwickelt und gemeinsam gesungen. Es war so schön Kleiner.
Die letzten 2 Tage, die wir miteinander verbrachten, werde ich nie vergessen. Wir fuhren zur Hochzeit von Anne und ich habe zu Dir gesagt, für mich kommt nur ein Mensch in Frage als Trauzeuge und das bist Du. Und Du hast mich gedrückt und gesagt, für Dich auch.
Wir hatten so eine schöne gemeinsame Feier, haben mit den Kleinen Fußball gespielt usw.
Und als ich dann am nächsten Tag fahren wollte haben wir noch rumgeflaxt, Du meintest, dass Du dann bald mal nach München kommst, bevor Dein Studium anfängt und ich habe Dir versprochen, dass ich Dich und Christin in Magdeburg besuche.
Danach konnte ich Dich nicht mehr beschützen, so weit reichte meine Kraft leider nicht.
 
Und als ich Dich zum letzten Mal gesehen habe, warst Du so still, wie ich Dich noch nie gesehen habe….
Ich vermisse Dich meine Kleiner, mehr als alles andere in der Welt. Du bist ein Teil von mir und wirst mir jeden Tag fehlen.
Deine Krissie (Juli 2010)
Die Welt steht still…
nicht zwischen uns, sondern meine Welt steht still. Wenn ich manchmal aus meinem „Tagtraum“ aufwache, stelle ich fest, dass der Sommer fast vorbei ist, der Herbst bald da…ich stehe am See und wundere mich, warum das Wasser viel zu kalt ist zum baden. Ich fühle mich wie ein wechselwarmes Tier in der Winterstarre. Die Tage, Wochen, Monate, ja die Jahreszeiten ziehen an mir vorbei und wie in einem Automatismus kleide ich mich entsprechend, doch merke ich es gar nicht richtig.
Nach außen hin merkt man mir kaum noch an, dass etwas ist. Ich erwische mich oft selber beim Lachen und lache dann umso mehr, weil ich weiß, dass du mich lieber lachen, als weinen siehst. Es gibt wieder Tage, an denen ich mich gut fühle, aber es gibt eben auch die Tage, an denen ich so verzweifelt bin, dass mein einziger Ausweg ist, mich in Arbeit zu stürzen. Ich weiß, dass wird dich fertig machen, wenn du das liest. Ich schreibe es dir ja auch nur, weil ich möchte, dass du weißt, dass ich auch wieder „gute“ Tage habe. Tage, an denen ich lachen, singen kann. Meine Freunde freuen sich, dass sie mich wieder lachen sehen und du dich sicher auch.
Der „Tagtraum“ oder „Winterschlaf“, so hab ich den Zustand genannt, den ich habe, seitdem du weg bist. Ich habe das Gefühl, dass die Welt an mir vorbeizieht. Ich handle zwar, plane in die Zukunft, aber dennoch ist es teilweise so, als wäre ich eine Maschine.
Ich habe mir eine innere Welt aufgebaut, in der ich dich erreichen kann. Ich brauch dafür nicht mehr nur dein Grab. Ich weiß, dass du da nicht immer bist, sondern nur vorbeischaust, um bei all denjenigen zu sein, die dich besuchen. Ich freue mich so sehr, wenn du mich in meinen Träumen besuchst. Ich wünsche mir immer, dass der Traum nicht aufhört. Dass du noch ein bisschen bei mir bleiben kannst.
Heute regnet es, warum weinst du? Zu mir sagst du in den Träumen immer, dass ich nicht weinen soll und das sage ich dir jetzt auch. 😉
Kleiner, ich fühle dich manchmal richtig, da denke ich, dass du vielleicht neben mir stehst. Es klingt absurd, aber es wäre so schön, wenn ich wirklich wüßte, dass du da bist, dann wüßte ich auch, dass ich nicht mit der Wand rede.
Ich schick dir ein Küsschen und möchte, dass du aufhörst zu weinen.
Ich hab dich so sehr lieb.
Deine Krissie (August 2010)
 
Warum wir sterben?!
Warum wir sterben, das weiß ich nicht. Klar ist mir nur, dass wir sterben werden – alle. Warum Du gestorben bist?! Weil Du keine Kraft mehr hattest? Warum Du überhaupt vor so eine Entscheidung gestellt wurdest, zu bleiben oder zu gehen? Dies ist doch die Frage, die wir uns alles stellen. Alles hat seine guten Seiten, heißt es immer, aber ich kann sie nicht finden. Ich weiß nur eins, ich hatte den besten Bruder, den man sich jemals wünschen konnte und die Verbindung zu ihm wird bleiben, bis wir uns wieder sehen.
Ich weiß, dass Du auf mich wartest.
Du fehlst mir so sehr, dass ich manchmal stundenlang einfach nur Dein Bild anstarre, um wenigstens ein bisschen das Gefühl zu haben, Du seist bei mir.
In Liebe Deine Krissie (November 2010)
 
Danke kleiner Engel
…Du weißt wofür… Du hast es geschafft, mich seit langem dazu zu bringen, dass ich mich freue… Nicht nur ich, viele Menschen freuen sich mit mir.
Ich hab im Moment das Gefühl, als seist Du mir sehr sehr nahe. Ich rede mit Dir bzw. Deinem Bild. Ich schau Dich an und da Steffi Deine Mimik so toll getroffen hat, hab ich oft das Gefühl, als schauen mich Deine Augen genau an.
Auch wenn Du mir so sehr fehlst, weiß ich mittlerweile, dass Du da bist. Irgendwie. Und irgendwo…nein, nicht irgendwo, Du bist in meinem Herzen Kleiner.
Ich hab Dich lieb.
Deine Krissie (Februar 2011)
 
2 Kerzen heute
Eine für Dich und eine für den kleinen Stern, den Du jetzt beschützen musst!!!
(März 2011)

Ich trage Dich bei mir, so lang mein Herz schlägt –
und darüber hinaus.
Wenn Dein Weggehen mich etwas gelehrt hat,
so ist es die Wahrheit, die in uns steckt.
Meine Wahrheit ist die ergreifende Liebe
und die unendliche Sehnsucht nach Dir.
Ich habe alles um mich vergessen und vernachlässigt,
ja sogar mich selber habe ich vergessen.
Und dann kam ein Punkt, an dem ich Dich gesehen habe.
Du warst da, bei mir, neben mir, über mir – Du warst einfach überall-
Du bist überall, wo ich bin.
Jeden Schritt, den ich gehe, gehe ich mit Dir.
Jedes Wort, das ich sage, wird geleitet mit Dir in Gedanken.
So fügt sich der Kreis. Uns kann nichts und niemand trennen.
Wir sind auf ewig verbunden.
Und wenn ich einmal sterbe, dann werde ich Dich sofort finden,
denn unser Band zeigt mir den Weg.
Und wir werden weiter Seite an Seite gehen, der Sonne entgegen,
die Milchstraße entlang.
Wir werden über die Wolken springen, uns in den Armen liegen
und wissen, dass unsere Zeit jetzt erst anfängt und alles was vorher war,
nur ein kleiner Weg, der Anfang unseres gemeinsamen Weges war.

(Juni 2011)

Die Nächte werden kälter, die Tage kürzer, der Mond, ja der Mond er scheint momentan so schön und daneben: DU…der Stern gleich daneben, er leuchtet mir jeden Abend.Ich schau hinauf und denk mir, dass Du mich jetzt anlächelst. Manchmal stell ich Dir eine Frage oder berichte Dir von meinem Tag und wenn der Stern dann blinkt, sehe ich das als Reaktion. Im Radio spielen sie momentan „So still“ auf und ab und die meisten von uns müssen dabei an Dich denken, aber ich muss Dir sagen, dass meine Welt nicht still sondern laut geworden ist seitdem Du nicht mehr da bist. Selbst der Moment als du gegangen bist war nicht still, weil ich nicht still sein konnte. Es ist nicht still, denn ich nehme die Dinge heute anders wahr. Jedes Vogelgezwitscher ist heute für mich viel lauter, weil ich es hören möchte. Ich genieße die Sonne, den Regen, alles; also nein, es ist nicht still.
Das einzige das still ist bist Du.
Vielleicht nehme ich die Dinge so laut wahr, weil ich nach einem Geräusch, einem Wort, irgendetwas von Dir auf der Suche bin. Vielleicht ist es aber auch so, weil das Leben mittlerweile eine ganz andere Bedeutung bekommen hat.
Ich trage Deinen Schatten jeden Tag mit mir und Du weißt, dass ich mit „Schatten“ nichts Negatives meine. Ich mag es im Schatten zu stehen (ohja die Psychologen dieser Welte würden jetzt sagen: Ohren auf, sie steht gern im Schatten. Und wir würden uns köstlich amüsieren.) Nein, mit Schatten meine ich eher das Echo, das Stückchen Herz das von Dir in mir schlägt. Du wirfst keinen Schatten auf mich, nein Du bist mein Schatten, weil Du mich jeden Tag begleitest, weil ich Dir am liebsten jeden Tag sagen möchte, was ich erlebt habe, Dich lachen hören möchte….Aber ich muss mich mit dem Schatten zufrieden geben, bis ich Dich wieder richtig sehen kann.
In Liebe Deine Krissie
(September 2011)
Heute bin ich ohne Dich…
Mama hat heute ihren großen Tag und ich steh allein vor ihr…Du bist nicht da und machst mit mir Quatsch für sie. Was soll ich sagen, es ist schwer. Schwer, ohne Dich zu sein, schwer, allein zu reden, schwer, Deine Worte zu finden. Ich habe es jedenfalls wie immer gemacht. Ein Geschenk gekauft, Deinen Namen mit drunter geschrieben und das Geschenk von Dir absegnen lassen. Die Glückwünsche kommen von Herzen und auch von Dir, denn DU bist ja in meinem Herzen.
Danke dass Du immer da bist Kleiner, auch wenn ich Dich nicht sehen kann, ich weiß, Du bist da.
Ich hab Dich sehr lieb und vermiss Dich mehr als ich jemals irgendjemanden vermisst habe.
Deine Krissie
(20.10.2011)
Geburtstagskind
Mein Kleiner, heute ist Dein Tag. Ich hoffe, Du wirst ihn heute schön verbringen, mit lieben Menschen, die Du kennengelernt hast. 24 Jahre ist es her, seit wir Mama ins Krankenhaus geschickt haben, um Dich dann mit heim zu bringen.
Hätte ich damals gewusst, dass ich Dich nach 21 Jahren wieder gehen lassen muss, hätte ich Dich irgendwo fest gebunden.
Du bist ALLES und ohne Dich ist ALLES NICHTS!!!!
Happy Birthday Kleiner, Du fehlst fehlst fehlst.
In Liebe Deine „große“ Schwester
(31.10.2011)
Weihnachten in Familie…
doch einer fehlt…und ein Platz bleibt leer. Zum dritten Mal Michi, zum dritten Mal müssen wir ohne Dich Weihnachten „feiern“. Das Wort „feiern“ birgt solch eine Ironie in sich, dass es sich gar nicht lohnt es zu schreiben.
Du hast uns auf jeden Fall ein sehr schönes Weihnachtsgeschenk nach hier unten geschickt. Du möchtest, dass wir wieder lachen, oder?
Ich möchte, dass Du auch wieder lachst und Deine Witze machst.
Könnt ich sie hören, würde ich wahrscheinlich mit einem Dauergrinsen hier sitzen.
Ach wäre es doch ein Weihnachten in der ganzen Familie Michi, das wäre schön.
Glaub mir, ich würde auch Dir zu Liebe die Geschenke ganz schnell aufreißen.
Ich werde es trotzdem tun, weil ich weiß, dass Du bei uns bist.
Morgen komme ich zu Deinem Garten.
Du fehlst mir sehr.
Deine Krissie
Winter im Land
Der Winter bringt so wahnsinnig viel Kälte, dass man manchmal denkt, erfrieren zu müssen. Alles sieht so trostlos aus, keine Blätter an den Bäumen, die Bäche zugefroren und Du, auf Deinem Grab eine Schicht von Eis…Eis, gefrorenes Wasser, starr, genau wie Du Kleiner und doch bewegen sich kleine Teilchen darin.
Kann ich Hoffnung haben, dass Du Dich auch bewegst? Dass Du Dich jetzt in diesem Moment in meiner Nähe bewegst?
Du hast uns einen Engel geschickt, der uns Freude bringen soll. Das wird er, das tut er schon.
Du fehlst mir, wie gerne würde ich jedesmal wenn es Neuigkeiten gibt bei Dir anrufen und Dir davon erzählen. Du wärst so stolz Kleiner.
Tränen bleiben, denn ich kann es Dir nicht erzählen. Ich habe Dir ein Zeichen gegeben, als ich mit Mama bei Dir war, ich hoffe, Du hast es verstanden. Aber ich weiß auch, dass ich wieder kommen werde und vielleicht stell ich Dir dann auch Deine kleine Nichte vor.
Ich hab Dich lieb mein Kleiner und hab so große Sehnsucht nach Dir, dass es einfach nur weh tut.
Deine Krissie
(Februar 2012)
Und plötzlich stand die Zeit still
…ist das Thema meiner Examensarbeit. Ich habe mich bewusst dafür entschieden über den Tod und Trauer zu schreiben, weil es die Thematik ist, mit der ich mich seit nun fast 3 Jahren unumgänglich und wahnsinnig intensiv beschäftige.

Trauer: trauer ich eigentlich noch? Ist das Trauer? Freud sagte, dass Trauer „ein tiefer seelischer Schmerz über einen Verlust oder ein Unglück“ sei. Natürlich empfinde ich diesen Schmerz, aber ist er nicht zum Allgemeinzustand geworden? Gehört er nicht heute genauso zu mir, wie die Luft, die ich zum Atmen brauche? Wäre ich die, die ich jetzt bin, würde mich der Schmerz nicht begleiten?

Ich glaube dass uns dieser Schmerz nicht deswegen begleitet, damit er uns an dich erinnert, sondern damit wir wissen, dass wir leben.

Ich verbinde mit dir einfach so viele schöne Dinge, dass das einzige das schmerzt die Tatsache ist, dass ich dir heute nicht erzählen kann, was ich erlebe. Du wärst so stolz oder bist so stolz.

Und plötzlich stand die Zeit still und riss mir den Boden unter den Füßen weg…erst nach Jahren merke ich, dass die Sanduhr langsam weiter fließt, nur eben anders und ohne dich, aber mit dir im Herzen.

Ich liebe dich!!!

(Mai 2012)

1000 Tage

Eintausend….was für eine Zahl….Wirklich schon

eintausend Tage ohne dich. Wenn man es vor sich

her sagt, kann man es überhaupt nicht realisieren.

Eintausend…Tage, an denen ich auf dich gewartet habe.

Eintausend…Tage, an denen du nicht gekommen bist.

Das sind eintausend Tage, die wir ohne dein Lachen

erleben mussten, ohne deine Wärme, ohne….Dich.

Und es werden noch eintausend und zweitausend

und …. folgen.

Genau das ist es doch, was es so schwer macht: zu

wissen, dass es nicht die letzten eintausend sein

werden, weil du einfach nie wieder kommen wirst.

Du fehlst Michi….die Tage werden vielleicht wieder

länger und heller, aber es gibt keinen Tag mehr, der

so hell ist, wie die Tage früher einmal waren.

Ich habe dich sehr lieb.

****

Am 01.01.2014 stand ich weinend an deinem Grab. Genau vor 5 Jahren hatten wir die beste Party ever. Der 50. Geburtstag von Papa. Was haben wir gelacht. Und dieses Jahr, gleiche Location, gleicher Anlass, nur einer fehlt. Mir ist das Herz zerschmettert, als ich den Raum betrat. Wie soll ein Mensch das etragen? Frag ich mich und weine, weine bis ich lachen muss und das Lachen wird vom Weinen wieder abgelöst. Das könnte ein endlosen Spiel sein. Und enden würde es nie, würde deine kleine Nichte nicht neben mir stehen und „Michi“ „Michi“ „Michi“ rufen. Ja sie weiß genau wer du bist. Und wärst du am 01.01. da gewesen, ich bin mir sicher, ihr hättet einen heiden Spaß zusammen gehabt.

Ich stand an deinem Grab und hab geweint, als gäbe es keinen Morgen und keinen Abend, als gäbe es einfach nichts auf dieser Welt außer uns zwei.

So wie damals, als wir lachten, im Januar 2009.